Am Mittwoch, 19. November, lud Four Forest Luzern Familien zu einem Workshop über das Thema Mehrsprachigkeit ein. Geleitet wurde die Verantstaltung von unseren Lehrpersonen für Sprachförderung, Tamsin Clare und Ulrike Dannenhauer. Sie erklärten, wie Kinder Sprachen lernen und zeigten einfache Möglichkeiten auf, wie Eltern sie zuhause unterstützen können.

Wie Kinder Sprachen lernen

Kinder erwerben Sprachen durch Zuhören, Sprechen, Spielen und durch echte Interaktionen mit Menschen im Alltag. Sie entwickeln Sprache, wenn Erwachsene als Vorbild agieren, z.B. wichtige Begriffe wiederholen und Raum für Gespräche schaffen.

Bei Four Forest knüpfen wir bewusst an den Sprachen an, die Kinder zuhause sprechen. Diese Sprachen prägen, wie sie neue Inhalte verstehen. Während des Workshops erarbeiteten die Familien, wie Kinder zwei verschiedene Sprachformen nutzen: soziale Sprache für Spiel, Austausch und Alltagssituationen sowie akademische Sprache für das tiefere Verständnis von Unterrichtsinhalten. Unser Sprachförderteam stärkt beide Bereiche, damit Kinder im Unterricht wie auch unter Gleichaltrigen sicher kommunizieren können.

Den ganzen Menschen sehen

Sprachförderung basiert bei uns auf dem, was Kinder bereits mitbringen. Ihre Familiensprachen, Interessen und Erfahrungen bilden die Grundlage für neues Lernen. Wenn wir das gesamte sprachliche Profil eines Kindes kennen, können wir die einzelnen Schüler:innen individuell unterstützen und dazu beitragen, dass sich jedes Kind als mehrsprachige Lernerpersönlichkeit ernst genommen und gestärkt fühlt.

Frau Clare und Frau Dannenhauer stellten zudem das Konzept des „Translanguaging“ vor. Dabei nutzen Kinder alle ihre Sprachen gleichzeitig, um zu verstehen, zu planen, Probleme zu lösen oder sich auszudrücken. Anstatt Sprachen zu trennen, wechseln Kinder flexibel zwischen ihnen – so wie viele Erwachsene im Alltag auch. Dieser Prozess unterstützt tiefes Lernen und stärkt das Selbstvertrauen. Darum fördern wir ihn aktiv in unseren Klassen.

Sprachförderung zuhause

Eltern können die Sprachentwicklung durch kleine, sich wiederholende Abläufe im Alltag unterstützen. Wichtig ist, dass Familien die Sprache nutzen, die sich zuhause am natürlichsten anfühlt. Sinnvolle Gespräche in jeder Sprache fördern Verständnis, Ausdruckskraft und Selbstvertrauen. Kinder profitieren besonders, wenn Familien:

  • gemeinsam lesen, einen Film schauen und über diese Inhalte sprechen
  • bekannte Geschichten nacherzählen
  • sich während Alltagsroutinen austauschen (z.B.: Schulweg, Kochen)
  • Zutaten beim Einkaufen und Kochen benennen
  • Sprach- und Denkspiele spielen
  • eine regelmässige Hausaufgabenroutine einführen und pflegen
Diese Aktivitäten helfen Kindern Verbindungen zu ihrem Wissen zu knüpfen, es zu erweitern und geben ihnen zudem Sicherheit.

Familien können zu Hause auch verschiedene Plattformen nutzen:

  • Lingokids – Lieder und Geschichten
  • Lingonetz – interaktives Deutsch
  • Quizlet – Wortschatztraining
  • ANTON – Deutsch lernen (und andere Fächer des Curriculums auf Deutsch ) kennenlernen und üben
  • Seesaw – Lernfortschritte teilen
  • Twinkl – Ressourcen und Arbeitsblätter
  • World Stories – mehrsprachige Geschichten

Lernumgebung als Sprachlehrerin

Der Workshop zeigte, wie stark die Umgebung das Lernen beeinflusst. Inspiriert vom Reggio-Emilia-Ansatz gestalten wir Räume so, dass Kooperation und Dialog gefördert werden. Kinder arbeiten gemeinsam, sprechen miteinander und nutzen Sprache ganz natürlich im Austausch.

Unsere Klassen sind bewusst text- und bildreich gestaltet: Wörter, Symbole und Beschriftungen sind so platziert, dass Sprache immer greifbar ist. Auch das Leben in einem deutschen oder englischsprachigen Umfeld unterstützt das Lernen. Viele Kinder erkennen plötzlich Schriftzüge auf Strassenschildern oder Produkten im Alltag – ganz nebenbei und ohne Druck.

Sprachenlernen als gemeinsame Aufgabe

Die Familien verliessen den Workshop mit praktischen Tipps und einem tieferen Verständnis für die Entwicklung mehrsprachiger Kinder. Die offenen Gespräche und die herzliche Atmosphäre zeigten die Stärke unserer Schulgemeinschaft. In Partnerschaft zwischen Schule und Familien begleiten wir jedes Kind aufmerksam, mit Neugier und Wertschätzung.